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2.) Wo war ich hier nur gelandet?

„Soll ich dir unsere Schule zeigen?“, fragte er mich. „Darf ich denn schon aufstehen?“, ich fühlte mich nicht gerade wie frisch aus dem Ei gepellt. „Ja, du heilst schnell, keine Sorge.“ Na dann! Selbst als ich aufstehen wollte, ließ er meine Hand nicht los. Ich hatte nur ein Nachthemd an, also musste ich ihn leider darauf aufmerksam machen, dass er mich loslassen muss, damit ich nicht mit diesem durchsichtigen Ding durch die ganze Schule renne. Er ließ mich alleine und ich fühlte mich sofort schlecht. Ich beeilte mich, damit ich seine Hand wieder halten konnte. Die Hand von dem fremden Jungen. Von Fabian. Die Krankenstation war ein Haus, am Schulcampus. Es gab viele Häuser. Ein Haus war die Speisehalle, ein großes Haus die Zimmer der Schüler (Ein Internat also!) und weitere Häuser für Büros und Klassenräume gab es auch. Der Spaziergang tat mir gut, obwohl ich nicht wusste, wie ich so schnell wieder auf den Beinen sein konnte. Als wir an der Speisehalle vorbei kamen, hörte ich Stimmen. Anscheinend war gerade Abendessenszeit. Die Jugendlichen lachten und scherzten. Ich sah zu meinen Begleiter und fragte: „Wann hast du denn das letzte Mal etwas gegessen?“ Seine Antwort war ein beschämter Gesichtsausdruck. Anscheinend wusste er es auch nicht mehr genau. Kurzer Hand beschloss ich, dass wir Essen gehen sollten. Als wir die Halle betraten, ließ ich seine Hand los. Warum, wusste ich nicht genau. Wir beluden unsere Tabletts mit gut riechendem Zeug, dass ich alles nicht genauer definieren konnte. Darum nahm ich von allem etwas. Als ich mich zu Fabian umdrehen wollte, war er schon am Weg zu einem Tisch, an dem anscheinend seine Freunde saßen. Was sollte ich jetzt tun? Sollte ich ihn folgen, wie ein kleines Hündchen? Was ist, wenn ich ihn schon nerve? Ohne weiter darüber nachzudenken, nahm ich mir einen Stuhl an einem leeren Tisch und hockte mich einfach alleine hin. Ich begann zu essen. Eigentlich wusste ich nicht, was ich hier mache. Durfte ich hier überhaupt essen, wenn ich nicht in diese Schule gehöre? Einfach so machen, als wäre ich schon immer hier gewesen. Leichter gesagt, als getan. Ich spürte Blicke an mir. Es schien, als würde mich der ganze Saal anstarren. Kein Wunder, ich war die verrückte die aus dem Wald kam. Haha, irgendwie wie Tarzan. Nur, dass ich keinen Rock aus Blättern an hatte. Vielleicht sollte ich mir ein weibliches Tarzan Kostüm kaufen. Mir klopfte jemand auf die Schulter. Oh, Oh! Jetzt werde ich bestimmt rausgeschmissen. „Ami?“ Ich sah in die Augen meines Händchen- warm- Halters. „Ja?“, meine Stimme war eindeutig nicht so fest, wie ich es gerne gehabt hätte. „Warum sitzt du denn hier alleine? Ich dachte du kommst an meinen Tisch.“ Peinlich. Mit hoch rotem Gesicht folgte ich ihn an seinen Tisch. Anscheinend hatte er die zwei Jungs und das Mädchen, die bei ihm saßen schon vorgewarnt, dass ich nicht wusste wer ich bin, denn sie stellten mir keine Fragen. Sie begrüßten mich nur. Noch immer verfolgt von den Blicken der Halle aß ich mein Essen. Es schmeckte gut. Die zwei Jungen hießen Sam und Luca, das Mädchen hieß Sarah. Das konnte ich mir merken, hoffte ich. Sonst blieb mir ja nicht viel im Gedächtnis. Amnesie und so. „Weiß sie schon bescheid?“, fragte Jenny. Sie hatte mit Fabian gesprochen. Ich traute mich nicht von meinem Teller aufzuschauen. Worüber sollte ich denn Bescheid wissen? Über mein Auftauchen. Ja das wusste ich. „Nein, später“, antwortete Fabian. Gut, dann eben nicht. Als ich fertig war, sah ich mir die Anderen genauer an. Jenny hatte blondes langes Haar und ein nettes Gesicht. Sie war richtig hübsch. Ein paar Pickel störten den Anblick, aber aus dem Alter würde sie bestimmt raus kommen. Sam war ebenfalls blond und ziemlich klein und er trug eine Brille. Er war so ein richtiger Teddybär, aber der Anblick täuschte anscheinend. Er riss dauernd Witze auf Kosten anderer. Die anderen schien es nicht wirklich zu stören und mich ließ er Gott sei Dank aus. Luca war einer dieser hochgewachsenen muskulösen Sportler, nachdem sich alle Frauenherzen verzerren, aber er schien ziemlich still, genauso wie ich, momentan. Aber Fabian, sie hatten ihn alle gern, das merkte man. Er hatte stechende grüne Augen und Wimpern, die sich jede Frau wünschen würde. Seine Haare gingen ihn bis über die Ohren und wenn er lächelte, bildeten sich Grübchen. Wie süß. Oh Gott, ich glaube er hat gemerkt, dass ich ihn angesehen hatte! Mein Gesicht wurde heiß und ich besah mir wieder meinen leeren Teller genauer. „Hey“, sagte ein fremder Junge neben mir. Ich sah zu ihm auf und erwiderte das Gleiche. Meine Stimme blieb fest. Juhu. „Ich bin Nolan. Wir sitzen da drüben auf einen Tisch“, sagte er und zeigte auf einen Tisch mit lauter wunderschönen Jugendlichen. Ich wusste nicht was ich erwidern sollte, also starrte ich ihn nur an. „Und?“, war dann alles, was ich rausbrachte. „Du kannst dich auch zu uns setzen, wenn du willst.“ Sein Grinsen wirkte nicht echt und er sah abschätzig auf Fabian und seine Freunde. Nicht sehr nett. Ich spürte, wie Fabian meine Hand unterm Tisch nahm und schon wusste ich Bescheid. „Also ich sitze hier ziemlich gut.“, sagte ich und drehte mich wieder zu den Leuten an meinem Tisch um. Einige unendliche Sekunden blieb der unsympathische Junge neben mir stehen, dann zog er aber ab. Als er weg war, entspannten sich die Gesichtsmuskeln von Fabian. War er etwa eifersüchtig? In meinem Bauch sprang gerade irgendwer Trampolin. Schon wieder stellte sich jemand neben mich und leicht genervt hob ich aufs Neue meinen Blick. Dieses Mal war es aber kein Schüler. Es war ein Mann um die 40, der mich nett anlächelte. Jetzt hauen sie mich aber raus! „Hallo! Ich bin Herr Books, der Direktor dieser Schule. Könntest du, wenn du fertig bist, in mein Büro kommen? Fabian zeigt dir sicher gerne den Weg.“ Oh. Ins Büro des Direktors! Dam dam dam dadadam. „Ja, äh. Mache ich“, war alles, was ich sagen konnte. Als Herr Books wieder weg war, flüsterte mir Fabian ins Ohr: „Keine Angst, Herr Books ist sehr nett.“ Das hoffte ich wirklich. Ich wollte irgendwie hier bleiben. Das war ja alles, was ich kannte. Fabian begleitete mich, nachdem wir uns von seinen Freunden verabschiedet hatten. Vor dem Haus, das den Büros diente, hielt er an. „Kannst du mit rein kommen?“, bat ich ihn. Er schien es sich überlegen, nickte dann aber leicht. Ich klopfte an das Büro, an dem „Herr Books, Direktor“ stand und öffnete dann. „Ihr könnt euch setzen.“ Als ich fast im weichen Polstersessel verschwunden war, der vor dem großen Holzschreibtisch des Direktors stand, wurde ich richtig nervös. Was jetzt kommen sollte, hatte ich nicht erwartet. „Ich wurde schon unterrichtet, wie dein Zustand zurzeit ist. Du musst wissen, wir sind eine außergewöhnliche Schule. So außergewöhnlich, dass Jugendliche nur dann an unsere Schule kommen dürfen, wenn sie besondere Fähigkeiten haben. Du bist einer der Menschen, mit besonderen Fähigkeiten. Ich zwinge dich nicht, hier zu bleiben, aber ich denke, solange du noch nicht weißt, wo du hin sollst, wäre diese Schule hier die beste Möglichkeit, mehr über dich zu erfahren.“ Er ließ mir Zeit diese vagen Informationen zu verarbeiten. Dann fragte ich ihn: „Welche Fähigkeiten meinen sie? Und woher wissen sie, dass ich besondere Fähigkeiten habe. Ich will sie ja nicht beleidigen, aber ich weiß noch nicht einmal meinen Namen, geschweige denn, irgendwelche Fähigkeiten“. „Ich spüre Menschen, die besonders sind. Auch bei dir kann ich das spüren. Was an dir besonders ist, kann ich dir leider nicht sagen, aber wir werden es zusammen herausfinden, wenn du das willst. Ich meine damit ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Fabian hier, kann zum Beispiel besonders gut mit den Elementen umgehen. Wenn er will, kann er Wasser verfestigen, Feuer heraufbeschwören und Erde formen. Natürlich nur, mit genügend Übung.“ Besondere Fähigkeiten? Besonderer Hirnmatsch vielleicht. Skeptisch sah ich rüber zu Fabian und erwartete dass er laut zum Lachen beginnt. Das tat er aber nicht. Er sah anscheinend den Unglauben in meinem Blick, hob seine Hand und ließ eine Flamme entstehen. Seine Hand fing dabei nicht zum Brennen an, die Flamme schwebte irgendwie nur über ihn. Guter Zaubertrick, dachte ich mir, bevor mein Kopf auf die Tischplatte knallte und mir Schwarz wurde. Wo war ich hier nur gelandet.

16.9.14 01:22

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